Museo Comunale d'Arte Moderna

5. Juni - 15. August 2022

Marianne Werefkin und Willy Fries
zwei Visionen im Dialog
100 Jahre Museum Ascona

Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung Righini-Fries, Zürich, realisiert wurde, ist eine einzigartige Gelegenheit, den 100. Jahrestag der Gründung des Gemeindemuseums von Ascona zu feiern. Dabei wird das Werk der russischen Malerin Marianne Werefkin (Tula 1860 – Ascona 1938), die das Museum von Ascona mitbegründet hat, dem ihres jüngeren Kollegen und Freundes, des Zürcher Malers Willy Fries (Zürich 1881 – Zürich 1965), gegenübergestellt, mit dem sie eine enge Freundschaft verband. Diese war während seines Aufenthalts in Ascona im Jahr 1921 entstanden, als sie ihn in das pulsierende kulturelle Leben von Ascona einführte. Jenes Ascona das von der schöpferischen Energie nonkonformistischer und individueller Künstler und Intellektueller belebt wurde, die es verstanden, in Solidarität mit der zutiefst religiösen und toleranten lokalen Bevölkerung zu leben.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind die Briefe, die Werefkin zwischen 1921 und 1925 an Fries schrieb, also genau in den Jahren, in denen sie mit der Gründung des Museums beschäftigt war. Dieses entstand 1922 dank der Schenkung von Werken der in Ascona lebenden Künstler und ihrer nationalen und internationalen Künstlerfreunde an die Gemeinde, von der sie im Gegenzug Räumlichkeiten erhielten, in denen sie ihre Werke ausstellen und ihre Kunst propagieren konnten. Eine revolutionäre Idee der künstlerischen „Selbstverwaltung“, die vor allem von Werefkin vorangetrieben wurde, mit der Absicht, ein lebendiges Museum zu schaffen, das die subjektive Authentizität des künstlerischen Schöpfers verteidigen sollte, der sich verantwortungsbewusst nicht als „Händler mit seiner Ware“, sondern als „glücklicher und beglückender Geber“, präsentieren konnte.

Dank dieser individuellen Ausrichtung, die darauf Wert legte, sich als wahrhaftiger und moralisch verantwortungsbewusster Künstler gegenüber der Gesellschaft zu verhalten, und nicht auf der Grundlage von kulturellen Vorurteilen, Moden oder Opportunismus zu handeln, fand Werefkin in dem jungen Willy Fries einen treuen Verbündeten. Wie sie, wenn auch mit einem impressionistischen Stil, der ihrer expressionistischen Stilrichtung diametral entgegengesetzt war, hatte er sein ganzes Leben lang versucht, seine eigene Persönlichkeit und Weltanschauung aufrichtig zum Ausdruck zu bringen, und sich nicht von den Vorstellungen der Kunstwelt oder der Gesellschaft beirren zu lassen.

Es entstand ein intensiver Dialog in vertrauensvoller Freundschaft, in dem Werefkin ihm ihr Leid und ihre finanziellen Sorgen anvertraute, die aus dem Ende ihrer fast 30-jährigen Beziehung mit Alexej Jawlensky entsprangen, die sie im Alter von sechzig Jahren, auf sich allein gestellt, an die Grenze des Überlebens zwang. Nur dank der Hilfe einflussreicher Freunde wie Willy Fries (der in Zürich Vorsitzender mehrerer Künstlervereinigungen war), welche ihr Ausstellungsmöglichkeiten und materielle Unterstützung verschafften, sowie der Solidarität der Bevölkerung von Ascona und ihrer alternativen Geschichte, die mit der Gemeinschaft des Monte Verità verbunden ist, gelang es Werefkin ihre Lebensideale und künstlerischen Ziele nicht aufgeben zu müssen. Sie hat sich sogar so sehr für das Museum eingesetzt, dass sie auf die Möglichkeit, des Verkaufs vier eigener Werke und dreier Werke von den befreundeten Malern Cuno Amiet, Paul Klee und Arthur Segal, die sich in ihrem Besitz befanden, verzichtete und sie stattdessen als Grundstock der Museumssammlung stiftete.

Die Gliederung der Ausstellung, die zum ersten Mal rund 50 Werke von Werefkin mit ebenso vielen von Fries in Dialog setzt, erlaubt es dem Besucher, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Künstlern mit ihren eigentlich diametral unterschiedlichen künstlerischen Ausrichtungen festzustellen: sie, die russische Adelige und Frau von Welt, die Wegbereiterin des Blauen Reiters, eindringlich und visionär; er, dem Zürcher Grossbürgertums zugehörig, der akademischen Tradition Münchens verpflichtet, ironisch und im Wesentlichen ein Realist. Beide hatten einen tiefen Glauben an die Humanität des Menschen und waren von der Liebe zur Kunst getrieben, die für sie eine höhere Realität darstellte, nach der sie strebten. Vor allem aber waren sie zwei aufrichtige und wahrhaftige Künstler, die ihren Idealen treu blieben und niemals stilistische und vielleicht sogar moralische Kompromisse eingingen.

Vernissage

Samstag, den 4. Juni, um 17 Uhr

Plakat

In Zusammenarbeit mit

Mit der Unterstützung von

Werke

Willy Fries | Selbstbildnis | um 1920 | Öl auf Leinwand | 65 x 50 cm | Stiftung Righini-Fries Zürich

Willy Fries | Malerin Marianne Werefkin | 1921 | Öl auf Leinwand | 60 x 48 cm | Collezione Comune di Ascona

Marianne Werefkin | Madame | 1909 | Tempera auf Papier auf Karton | 69 x 46 cm | Fondazione Marianne Werefkin Ascona

Willy Fries | Ohne Titel [Schifffahrt] | 1917 | Öl auf Karton | 39.5 x 33.5 cm | Stiftung Righini-Fries Zürich

Willy Fries | Kleines Cabaret | um 1932 | Öl auf Karton | 27 x 34.5 cm | Stiftung Righini-Fries Zürich

Willy Fries | Gordola | um 1944 | Öl auf Karton | 20 x 27 cm | Stiftung Righini-Fries Zürich

Willy Fries | Häuser von Ascona | 1921 | Öl auf Karton | 20 x 27 cm | Stiftung Righini-Fries Zürich

Marianne Werefkin | Ascona | um 1920 | Tempera auf Papier auf Karton | 45.5 x 35 cm | Collezione Comune di Ascona

Marianne Werefkin | Via Aeterna | 1929 | Tempera auf Papier auf Karton | 100 x 70 cm | Collezione Comune di Ascona