Die Sammlung der Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten

Nach einer sorgfältigen Restaurierung wurde das Castello San Materno, dank des glücklichen Abkommens zwischen der Gemeinde Ascona und der Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten, zur neuen Heimat der Gemäldesammlung der Familie Alten, welche ab 1979 in einer Zeitspanne von 30 Jahren durch die gemeinsame Sammelleidenschaft von Kurt Alten und seiner Frau Barbara entstanden ist.

Kurt Alten (1925-2009), der Gründer der Stiftung, war ein Ingenieur, der es mit einfallsreichem Weitblick auf dem Gebiet der Verladetechnik zu außerordentlichem Erfolg gebracht hatte. Seine Fortune begann im Jahr 1957, als er die fahrbare Überladebrücke erfand, eine innovativen Idee auf einem expandierenden Markt erfand. Kurt Alten, der diese Produkte für die Verladung an der Rampe in der Alten Gerätebau GmbH Wennigsen und unter dem Markennamen hafa fortentwickelte, stieg bald zum europäischen Leader im Bereich der Verladetechnik auf. Der grosse Erfolg dieses Mannes wurde, wie es so oft geschieht, bis ans Ende seines Lebens von seiner Frau, Barbara Alten, begleitet und unterstützt.

Diese wichtige Kunstsammlung vereint mehr als 60 Werke von im deutschsprachigen Raum wirkenden Malern, die in der Zeit vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zu den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zur Kunstelite zählten. So finden wir hier die Impressionisten Max Liebermann und Lovis Corinth und die Künstler der Schule von Worpswede (Fritz Overbeck, Hans am Ende, Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker) dieses letzten Bollwerks der deutschen Romantik des 19. Jahrhunderts, das dann den Übergang vom menschlich-sozialen Realismus zum Impressionismus und schließlich zum Expressionismus zeichnen sollte. Diese Strömung ist in der Sammlung durch mehrere Künstler der Brücke (Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Hermann Max Pechstein, Emil Nolde) und des Blauen Reiters (Alexej Jawlensky, August Macke) vertreten, dieser zwei Künstlervereinigungen, die expressionistische Konzepte im deutschsprachigen Raum verbreitet haben: den vitalistischen und sozial geprägten Expressionismus in Dresden und Berlin und den lyrisch-visionären in München.

Die Worpsweder Künstler der Kunstsammlung Alten stehen in besonderer Beziehung zur Geschichte von Ascona; denn viele von ihnen haben – direkt oder indirekt durch den Monte Verità – die Kunstszene Asconas bereichert und belebt. Man denke nur an die Ausdruckstänzerin Charlotte Bara (eigentlich Bachrach), die ihre Ausbildung in Worpswede erhalten und sich mit dem Architekten Carl Weidemeyer angefreundet hatte, der für sie in Ascona das heutige Teatro San Materno errichtete, welches dem Schlösschen gegenübersteht. Bis zu ihrem Tod lebte sie im Castello San Materno, dem heutigen Sitz der Kunstsammlung der Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten. Darüber hinaus stand die Künstlerkolonie Worpswede – sie wurde 1889 gegründet und dauerte bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts fort – auf das Engste auch mit der Geschichte und den Protagonisten des Monte Verità und deren philosophischen Bezügen auf die »Lebensreform« in Verbindung, die in ganz Europa, von Norden bis Süden, zahlreiche Lebens- und Arbeitsgemeinschaften von Künstlern und Intellektuellen hervorbrachte, die den Fortschritt und die Zivilisation ablehnten.

Dieses Netz steht dank der Verflechtung mit individuellen Geschicken auch in direkter Beziehung zur »Lebensreform« wie sie in der Monte-Verità-Gemeinschaft in Ascona gelebt wurde. Diese lebensreformerische Kolonie machte Ascona, von ihrer Gründung im Jahr 1900 bis über den Zweiten Weltkrieg hinaus, zu einem Pilgerziel von Naturisten, Theosophen, Anarchisten, Psychoanalytikern und politisch Verfolgten, aber auch von Malern, Bildhauern und Tänzern, die hier Utopien und neue Lebensformen experimentierten und in ganz Europa verbreiteten.

Mit der historischen Avantgarde, die in der Kunstsammlung Alten durch die Künstler der Brücke und des Blauen Reiters vertreten ist, tritt erneut die enge Verbindung zu Ascona in Erscheinung, das dank der Anwesenheit zahlreicher dieser Bewegung angehörender Künstler besonders in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zu einer Wiege des zweiten europäischen Expressionismus geworden war. Man denke allein an Jawlenskys Aufenthalt von 1918 bis 1922 und an den Verbleib von Marianne Werefkin sogar bis zu ihrem Tod im Jahr 1938.

Es erscheint also offenkundig, dass die Sammlung Alten durch ihre Werke und durch ihre Künstler einen grossen historischen und kulturellen Wert in sich trägt. So war ein ausschlaggebendes Kriterium bei der stilistischen Wahl der Werke auch die sogenannte »Stimmung«, die heute wieder in den erneuerten Innenräumen des Castello San Materno anklingt. Diese ganz und gar nicht leeren und anonymen Räume tragen eine von jahrhundertelanger Geschichte und Lebensart geprägte Stimmung in sich, die bestens mit dieser »passionierten« Sammlung harmoniert. Eine Sammlung die nun dem Publikum zugänglich wird, mit dem Wunsch, ein Mittel der gemeinsamen Anteilnahme, der Erfahrung, des Wissens und ein Ort der Schönheit und der Kultur zu werden.

Mara Folini, 2014

Lovis Corinth

* 21.7.1858 Tapiau (Ostpreußen)
† 17.7.1925 Zandvoort (Niederlande)

Die Eltern betreiben eine Gerberei sowie Landwirtschaft; 1866 – 1873 Besuch des Gymnasiums in Königsberg, in dieser Zeit wohnt er bei der Schwester seiner Mutter; Rückkehr ins Elternhaus nach dem Tod der Mutter (1873). Bald darauf Hinwendung zur Malerei und ab 1876 Besuch der Kunstakademie in Königsberg, Schüler von Otto Günther. 1880 weitere Ausbildung an der Kunstakademie in München, anfangs bei Franz von Defregger, später bei Ludwig Löfftz.
1882/83 Militärdienst, anschließend Studienreise nach Italien. Weitere Ausbildung 1884 in Antwerpen bei Paul Eugène Gorge, in Paris bei Tony Robert-Fleury und Adolphe William Bouguereau (v.a. Aktmalerei). 1886 Aufenthalte an der Ostseeküste mit Hans Olde und ab 1887 in Berlin, wo er mit Künstlern wie Max Klinger, Walter Leistikow u.a. in Kontakt kommt. 1889 Tod des Vaters; Ende 1890 Umzug nach München.
1892 Mitglied der »Münchener Secession«, 1893 Mitbegründer (neben Max Slevogt, Peter Behrens u.a.) der »Freien Vereinigung«, die aus der »Secession « ausgeschlossen wird; enger Kontakt zur Münchener Literaturszene (mit Max Halbe, Frank Wedekind, Eduard von Keyserling, Otto Erich Hartleben u.a.); Mitgründer der Freimaurerloge »In Treue fest«, der er zeitlebens verbunden bleibt. Aufgrund fehlender Anerkennung seiner Werke 1901 Entschluss zur Rückkehr nach Berlin, im Herbst Gründung einer sich erfolgreich entwickelnden Malschule; eine seiner ersten Schülerinnen ist die 21-jährige Charlotte Berend, die er am 26.3.1903 heiratet; 1904 Geburt des Sohnes Thomas, 1909 der Tochter Wilhelmine. 1902 im Vorstand der »Berliner Secession«, regelmäßig beteiligt an den Jahresausstellungen der »Secession«, 1911 zu deren ersten Vorsitzenden gewählt.
Im Dezember 1911 Schlaganfall, der eine halbseitige Lähmung zur Folge hat. 1918 Ausstellung der »Secession« anlässlich seines 60. Geburtstages. 1919 Rückzug ins eigene Domizil in Urfeld am Walchensee, »Haus Petermann«, in dem sein hochgeschätztes Spätwerk entsteht. Gestorben auf einer Studienreise nach Amsterdam an einer Lungenentzündung. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Blumen in zwei Vasen | 1919 | Öl auf Holz | 72 × 58 cm | FKBA 12

Hans am Ende

* 31.12.1864 Trier
† 9.7.1918 Stettin
Mitglied der »Künstlerkolonie Worpswede«

Sohn eines Pfarrers, aufgewachsen in Trier. 1872 Umzug der Familie nach Kirchscheidungen bei Naumburg/Saale. Nach dem Schulabschluss in Pforta bei Bad Kösen Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München (bei Wilhelm von Diez) und Karlsruhe (bei Ferdinand Keller).
Der mit ihm seit der gemeinsamen Militärzeit befreundete Fritz Mackensen bewegt ihn 1889 zum Umzug nach Worpswede; 1892/93 in Berlin Studium bei Otto Knille. Gemeinsam mit Fritz Mackensen, Fritz Overbeck, Otto Modersohn und Heinrich Vogeler 1895 Mitbegründer der »Künstlerkolonie Worpswede«. 1895 beteiligt an der ersten Ausstellung der Worpsweder Maler in der Bremer Kunsthalle sowie im Herbst 1895 und 1896 an der Glaspalastausstellung in München. Bau des eigenen Wohn- und Atelierhauses »Buchenhof « neben Vogelers »Barkenhoff«; 1897 Heirat mit Magda Willatzen, Tochter eines Bremer Gymnasialprofessors und Schriftstellers. Würdigung in Rainer Maria Rilkes Monographie »Worpswede« (1903).
Ab 1914 als Freiwilliger Soldat im Ersten Weltkrieg, Einsatz an der Westfront; auch aus den Kriegsjahren sind Arbeiten – darunter v.a. Tuschezeichnungen – von ihm erhalten. Im April 1918 bei Messines (Belgien) schwer verwundet; den Verletzungen erliegt er in einem Lazarett in Stettin. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Herbsttag bei Worpswede | um 1895 | Öl auf Leinwand, auf Hartfaserplatte kaschiert | 35,5 × 47,8 cm | FKBA 01

Erich Heckel

* 31.7.1883 Döbeln (Sachsen)
† 27.1.1970 Radolfzell/Bodensee

Schulausbildung in Olbernhau, Freiberg und Chemnitz, Freundschaft mit Karl Schmidt-Rottluff. Studierte ab 1904 für drei Semester Architektur bei Fritz Schumacher an der Technischen Hochschule Dresden; 1905 mit Schmidt-Rottluff, Fritz Bleyl, Ernst Ludwig Kirchner Gründung der Künstlergruppe »Brücke«. Zwischen 1907 und 1911 jährlich Sommer- und Herbstaufenthalte in Norddeutschland (v.a. in Dangast), 1909 Italienreise. Von 1910 an mit dem in Berlin lebenden Otto Mueller befreundet; Herbst 1911 Umzug nach Berlin, wo er das Atelier Muellers bezieht. Freundschaftliche Beziehungen zu Franz Marc, August Macke und Lyonel Feininger. 1913 Entdeckung von Osterholz an der Flensburger Förde; es wird neuer Sommer- und Herbstaufenthaltsort bis 1943.
Im Ersten Weltkrieg von 1915 bis 1918 freiwilliger Pfleger beim Roten Kreuz, Bekanntschaft mit Max Beckmann, Max Kaus und James Ensor. Ab November 1918 wieder in Berlin; in den folgenden Jahren ausgedehnte Reisen durch Norddeutschland sowie ins europäische Ausland (Frankreich, Italien, Schweden, Dänemark). 1937 verhängen die Nationalsozialisten über ihn Ausstellungsverbot, beschlagnahmen nahezu 750 seiner Arbeiten aus deutschen Museen. 1944 Zerstörung seines Berliner Ateliers nach Bombenangriff, Verlust einer Vielzahl seiner Werke; im selben Jahr Umzug nach Hemmenhofen am Bodensee. 1949 – 1955 Berufung an die Kunstakademie in Karlsruhe. Erich Heckel stirbt am 27. Januar 1970 in Radolfzell am Bodensee. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Stilleben | 1913 | Öl auf Leinwand | 65 × 45 cm | FKBA 26 | © 2014, ProLitteris, Zurich

Alexej Jawlensky

* 13.3.1864 Torschok/Twer (Russland)
† 15.3.1941 Wiesbaden

Aus russischer Adelsfamilie stammend, aufgewachsen in Moskau. 1882 Besuch einer Industrie- und Kunstausstellung in Moskau; die Gemäldeausstellung beeindruckt ihn stark. 1884 Eintritt in Kadettenschule des Zweiten Moskauer Kadettenkorps; erhält dort Unterricht im Zeichnen. 1889 Versetzung nach St. Petersburg, um neben der Militärlaufbahn Malerei an der dortigen Kunstakademie zu studieren. Durch seinen Lehrer Ilja Repin lernt er die Malerin Marianne Werefkin kennen, mit der er nach dem Verlassen des Militärs 1896 nach München zieht und bis 1921 zusammenlebte. Gründete 1909 mit Wassily Kandinsky, Franz Marc, August Macke u.a. die »Neue Künstlervereinigung München«, die sich ab 1911 als »Der Blaue Reiter« etabliert. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs als russischer Staatsangehöriger aus Deutschland ausgewiesen, lebt von da an in der Schweiz, ab April 1918 mit seiner Familie und M. Werefkin in Ascona. 1920 teilweise Rückkehr nach München, im Jahr darauf in Wiesbaden ansässig.
1924 Initiative zur Gründung der Vereinigung »Die Blaue Vier«, der Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger und Paul Klee angehören. 1927 erste Anzeichen einer rheumatoiden Arthritis, die seine Arbeit stark einschränkte; ab 1937 auf den Rollstuhl angewiesen, von 1938 an vollständig gelähmt. Unter dem Einfluss des Fauvismus entstehen Landschaftsdarstellungen, Stillleben, Porträts mit Tendenz zur Abstraktion; in den 1920er-Jahren v.a. konstruktivistische Arbeiten. Alexej von Jawlensky stirbt am 15. März 1941 in Wiesbaden. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Kirche Prerow | 1911 | Öl auf Malkarton | 52,4 × 48,5 cm | FKBA 23

Ernst LudwIg Kirchner

* 6.5.1880 Aschaffenburg
† 15.6.1938 Frauenkirch/Davos

Sohn eines Chemikers; Schulausbildung im schweizerischen Perlen und in Chemnitz. 1901 – 1905 Architekturstudium an der Technischen Hochschule Dresden; zum Wintersemester 1903/04 Wechsel an die Hochschule nach München. Besucht darüber hinaus Kurse an der »Versuchs- und Lehranstalt für Angewandte und Freie Kunst« in Kompositionslehre und Aktzeichnen. 1904 Rückkehr nach Dresden.
Kirchner befasst sich fortan immer intensiver mit der Bildenden Kunst, zu der er, beeinflusst von den Werken Dürers und der alten Niederländer, durch Freunde wie Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff Zugang findet. Mit den Genannten 1905 Gründung der Künstlergemeinschaft »Brücke«, 1906 verfasst er das »Programm der Brücke«. 1911 mit Max Pechstein Gründung des MUIM-Instituts (= Moderner Unterricht in Malerei) in Berlin. Er lernt Erna Schilling (1884 – 1945) kennen, sie wird bevorzugtes Modell und langjährige Lebensgefährtin. 1913 Auflösung der Künstlergemeinschaft.
Der Militärdienst und die Kriegserlebnisse stürzen ihn in eine existenzielle Krise. 1915 kommt es zum Zusammenbruch; Aufenthalte in Sanatorien (Königstein/ Taunus, Charlottenburg), ab 1917 regelmäßig in Davos. 1923 lässt er sich in Frauenkirch bei Davos nieder. In den letzten Jahren insbesondere mit expressionistischen Buchillustrationen (z.B. Georg Heyms »Umbra vitae«) und Bildern stark divergierender stilistischer Ausrichtungen hervorgetreten, vorübergehend auch Hinwendung zum Kubismus. 1931 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 aus der Akademie ausgeschlossen; 1937 Beschlagnahme von rund 650 seiner Werke in deutschen Museen. Im Jahr darauf setzte der Künstler seinem Leben ein Ende. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Blick vom Balkon | 1916/17 | Öl auf Leinwand | 60 × 40 cm | FKBA 27

Max Liebermann

20.7.1847 Berlin
† 8.2.1935 Berlin

Aus jüdischer Familie des Berliner Großbürgertums stammend; 1862 – 1864 privater Zeichenunterricht bei Carl Steffeck; 1866 Abitur, Beginn eines geisteswissenschaftlichen Studiums an der Universität Berlin.
Im Frühjahr 1868 Wechsel nach Weimar an die Großherzogliche Kunstschule, wo er v.a. von Paul Thumann unterrichtet wird. 1871 Reise nach Düsseldorf, Amsterdam und Scheveningen, schließlich 1872 nach Paris, wo er den Werken von Jean-François Millet, Gustave Courbet und Théodule Ribot begegnet. 1874 Aufenthalt in Barbizon (erste Annäherung an die »Freilichtmalerei«), später in den Niederlanden (Haarlem), wo er Arbeiten von Franz Hals studiert und kopiert.
1878 Begegnung mit Franz von Lenbach in Venedig, auf dessen Rat Umzug nach München. 1884 Rückkehr nach Berlin, dort heiratet er im September desselben Jahres Martha Marckwald; 1885 Geburt der Tochter Käthe. In den späten 1880er-Jahren – beeinflusst von den französischen Impressionisten – allmählicher Übergang vom naturalistischen, zumeist soziale Themen aufgreifenden Malstil zu einem impressionistischen eigener Prägung. In Berlin 1892 gemeinsam mit Walter Leistikow Gründung der »Gruppe der Elf«; 1898 Gründungsmitglied der »Berliner Secession«, deren Präsident bis 1911. Lovis Corinth, Max Slevogt und er werden zu den Hauptvertretern des deutschen Impressionismus. 1897 Ernennung zum Professor der Königlichen Akademie der Künste in Berlin. Jährliche Reisen in die Niederlande, u.a. nach Zandvoort und Scheveningen (1899), Amsterdam (1901), ferner nach Hamburg (1902), wo er im Auftrag Alfred Lichtwarks Ansichten der Umgebung Hamburgs alt.
1909/10 Bau einer Villa am Wannsee, in der er künftig die Sommermonate verbringt; der Garten inspiriert ihn zu mehr als 200 Ölbildern und ebenso vielen Graphiken. 1911 Austritt aus der »Secession «, stattdessen schließt er sich der im Jahr zuvor gegründeten »Neuen Secession« an; lebt während des Ersten Weltkriegs zurückgezogen, aber intensiv malend in seiner Wannsee-Villa. 1920 – 1932 Präsident der Preußischen Akademie der Künste. 1933 – am Tag der Bücherverbrennung (8. Mai) – Rücktritt als Ehrenpräsident der Akademie der Künste, weil die Sektion für Bildende Kunst beschlossen hatte, keine Bilder jüdischer Künstler mehr auszustellen. Rückzug aus der Öffentlichkeit bis zu seinem Tod zwei Jahre päter. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Am Strand von Noordwijk | 1908 | Öl auf Malkarton | 36,5 × 53,5 cm | FKBA 18

August Macke

* 3. 1.1887 Meschede (Westfalen)
† 26.9.1914 Perthes-lès-Hurlus (Frankreich)

Als Sohn eines Ingenieurs und Bauunternehmers in Köln aufgewachsen; ab 1897 Besuch eines Gymnasiums in Köln, nach Umzug 1900 eines Realgymnasiums in Bonn. 1904–06 Studium an der Königlichen Kunstakademie in Bonn, parallel ab 1905 an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf; Schüler u.a. von Fritz Helmuth Ehmcke.
1906 entwirft er Bühnenbilder für eine Macbeth- Inszenierung des Düsseldorfer Schauspielhauses aufgrund seiner Freundschaft mit den Dramaturgen Herbert Eulenberg und Wilhelm Schmidtbonn. 1907 in Paris beeindruckt vom Impressionismus, 1907/08 in Berlin Schüler an der privaten Kunstschule Lovis Corinths; Italienreise und zweiter Parisaufenthalt. 1908 einjähriger Militärdienst. Im Oktober 1909 heiratet er die Bonner Fabrikantentochter Elisabeth Gerhardt, Freundin und bevorzugtes Modell schon seit 1903; die Söhne Walter und Wolfgang werden 1910 bzw. 1913 geboren.
1910 Kontakt zu Franz Marc am Tegernsee sowie zu Wassily Kandinsky und der »Neuen Künstlervereinigung München« (ab 1911 unter dem Namen »Der Blaue Reiter«) in München; beteiligt an deren Ausstellungen und mit Texten und Bildern auch vertreten im Almanach »Der Blaue Reiter«. Nach Bekanntschaft mit Robert Delaunay in Paris beeinflusst von Kubismus und Futurismus; 1913 mehrere Monate Aufenthalt in Hilterfingen am Thuner See. Teilnahme an Ausstellungen in Dresden, Berlin, Bonn (»Rheinische Expressionisten«); 1914 Reise nach Tunesien mit Paul Klee und Louis René Moilliet, während der eine Serie seiner wohl bedeutendsten Aquarelle entsteht. August Macke fällt als Offizier zu Beginn des Ersten Weltkriegs an der Westfront. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Auf dem Sofa eingeschlafen | 1911 | Aquarell über Bleistift auf Papier auf Karton | 62 × 49,3 cm | FKBA 24

Otto Modersohn

* 22.2.1865 Soest (Westfalen)
† 10.3.1943 Rotenburg a.d. Wümme
Mitglied der »Künstlerkolonie Worpswede«

Kindheit und Jugend in Soest und Münster; ab 1884 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, ab 1888 an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Hermann Baisch.
1889 mit Fritz Mackensen Reise nach Worpswede, beide schließen Künstlerfreundschaften mit Hans am Ende, Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler, 1895 Zusammenschluss zur »Künstlerkolonie Worpswede «; im selben Jahr erste gemeinsame Ausstellung der »Worpsweder« in der Bremer Kunsthalle sowie im Herbst 1895 und 1896 an der Glaspalastausstellung in München.
1897 Heirat mit der Bremer Kaufmannstochter Helene Schröder († 1900). Seinem Streben nach künstlerischer Freiheit folgend, verlässt Modersohn (wie auch H. Vogeler und F. Overbeck) 1899 die Gruppe; Beginn enger Freundschaften mit Rainer Maria Rilke und Carl Hauptmann. Von 1901 an in zweiter Ehe mit der Malerin Paula Becker († 1907) verheiratet; besonders intensive Schaffensperiode dank des künstlerischen Spannungsfeldes zwischen den Eheleuten. 1908 Umzug ins wenige Kilometer entfernte Fischerhude. 1909 dritte Ehe mit Louise Breling, Tochter des Genre- und Historienmalers Heinrich Breling. In den 1920er- und 1930er-Jahren mehrere Studienreisen mit seiner Frau in die Niederlande, durch Süddeutschland und vor allem ins Allgäu; 1930 Erwerb eines Bauernhauses auf dem dortigen Gailenberg bei Hindelang, wo er bis 1935 regelmäßig während des Frühjahrs und Sommers malt. Otto Modersohn stirbt 1943 nach kurzer Krankheit. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Worpsweder Scheune im Herbst | 1902 | Öl auf Malkarton | 41 × 58 cm | FKBA 03

Paula Modersohn-Becker

* 8.2.1876 Dresden
† 20.11.1907 Worpswede

Tochter des Bauingenieurs Carl Woldemar Becker und der thüringischem Adel entstammenden Mathilde von Bültzingslöwen; 1888 Umzug der Familie nach Bremen, wo der Vater die Stelle eines Baurats antritt. 1892 Englandaufenthalt bei einer Schwester des Vaters, 1893 – 1895 Ausbildung zur Lehrerin; nebenher Privatunterricht in Malerei bei Bernhard Wiegandt. Im April 1895 erste Begegnung mit Werken der Worpsweder anlässlich der Ausstellung in der Bremer Kunsthalle. 1896 in Berlin Besuch der dortigen Malund Zeichenschule des »Vereins der Berliner Künstlerinnen «, 1897 Schülerin der Berliner Malerin Jeanne Bauck. Im September 1898 Umzug nach Worpswede, dort Schülerin von Fritz Mackensen; Freundschaft v.a. mit Clara Westhoff.
1899 erste Ausstellungsbeteiligung und Anfang 1900 erster Aufenthalt in Paris; Studium an der Académie Colarossi, u.a. bei Louis-Auguste Girardot. In Worpswede u.a. Kontakt zu Helene und Otto Modersohn, den sie am 25.5.1901 – nach dem Tode von dessen Frau im Jahr zuvor – heiratet.
1903 für zwei Monate erneut in Paris; enge Verbindung zu Rainer Maria und Clara (geb. Westhoff) Rilke. 1903 – 1905 in Worpswede intensive Schaffensphase, in der sie mit Kinderbildern und Selbstporträts ihren Stil zu finden sucht. 1905 mit Otto Modersohn und Künstlerfreunden in Paris; eingehende Beschäftigung mit den Arbeiten der französischen Impressionisten (v.a. Paul Cézannes) sowie den Werken Paul Gauguins. 1906 vorübergehende Trennung von ihrem Mann, Aufenthalt in Paris, Ende des Jahres Versöhnung und Rückkehr nach Worpswede. Am 2.11.1907 Geburt der Tochter Mathilde. Tod durch eine nach der Geburt auftretende Embolie. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Mädchen mit Gänsen an einem Tümpel | um 1901 | Öl auf Malkarton | 49,5 × 46 cm | FKBA 09

Emil Nolde

(eigentlich Hansen, Hans Emil)
* 7.8.1867 Nolde/Buhrkall, Schleswig-Holstein
† 13.4.1956 Seebüll (Nordfriesland)

Aus einer Bauernfamilie im deutsch-dänischen Grenzgebiet stammend; gegen den elterlichen Willen Lehre als Holzbildhauer bei einem Flensburger Möbelhersteller, danach Wanderjahre als Holzschnitzer und Zeichner in München, Karlsruhe und Berlin; 1892 Lehrer für Ornamentales Zeichnen und Modellieren am Industrie- und Gewerbemuseum in St. Gallen.
1898 Umzug nach München, Besuch der privaten Malschule von Friedrich Fehr, 1899 der »Dachauer Malschule« von Adolf Hölzel. Ende des Jahres in Paris, studiert er die alten Meister im Louvre, kopiert Tizian und betreibt Aktstudien; im Sommer 1901 Aufenthalt in Jütland. 1902 legt er sich den Künstlernamen Nolde zu, heiratet die dänische Pastorentochter und Schauspielerin Ada Vilstrup; das Paar zieht 1903 nach Guderup auf der Insel Alsen, die Wintermonate verbringt Nolde in den folgenden Jahren zumeist in Berlin. In dieser Zeit entstehen Porträts sowie zahlreiche Blumen- und Gartenbilder, im Stil von den französischen Impressionisten beeinflusst.
1906/07 schließt er sich für kurze Zeit dem Kreis der »Brücke«-Maler an, 1908 wird er Mitglied der »Berliner Secession«; bei Ausstellungen der Künstlervereinigungen erregen seine Bilder Aufmerksamkeit. Ab Sommer 1909 malt er in Ruttebüll nahe dem späteren Seebüll erste Bilder zu religiösen Themen. 1910 Ausschluss aus der »Secession« aufgrund von Streitigkeiten mit dem Vorstand, stattdessen Beitritt zur »Neuen Secession«.
1913/14 Teilnahme an einer »Deutsch-Neuguinea- Expedition«, die ihn über Sibirien, Japan und China in die Südsee führt; das Erlebte verarbeitet er in Ölbildern und in zahlreichen Aquarellen. 1916 Umzug nach Utenwarf, wo er ein kleines Bauernhaus erworben hatte; 1919 Mitglied im »Arbeitsrat für Kunst«. 1926 nach eigenen Entwürfen Bau des Wohn- und Atelierhauses »Seebüll«, südlich der deutsch-dänischen Grenze, das zur Zuflucht während der NS-Zeit wird und sein Zuhause bis zum Lebensende bleibt. 1931 Aufnahme in die Preußische Akademie der Künste. Mit Beginn der NS-Herrschaft 1933 als »entarteter « Künstler diffamiert, wird er zum Verlassen der Akademie gezwungen. Von den Aktionen der Nationalsozialisten gegen »entartete« Kunst ist er besonders betroffen; mehr als 1000 seiner Werke werden aus deutschen Museen entfernt, zur gleichen Zeit erhält er Mal- und Ausstellungsverbot. Bis 1945 malte er insgeheim kleinformatige Aquarelle – die »Ungemalten Bilder« –, die Verwendung von Ölfarben hätte ihn verraten. Emil Nolde stirbt am 13. April 1956 in Seebüll. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Zwei Sonnenblumen und Helenium | um 1930 | Aquarell und Deckfarben auf Japanpapier | 34,5 × 45,5 cm | FKBA 30 | © Nolde Stiftung Seebüll

Fritz Overbeck

* 15.9.1869 Bremen
† 8.6.1909 Bröcken/Vegesack
Mitglied der »Künstlerkolonie Worpswede«

Vater Technischer Direktor des Norddeutschen Lloyds, Kindheit und Jugend in Bremen, Abitur am dortigen Alten Gymnasium. 1889 – 1893 Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Eugène Dücker, Peter Janssen d.Ä., Olof Jernberg und Paul Vorberg.
1892 erster Studienaufenthalt in Worpswede, zweiter Aufenthalt ein Jahr später. Auf Anregung Otto Modersohns 1894 Umzug nach Worpswede. Gemeinsam mit Fritz Mackensen, Otto Modersohn und Heinrich Vogeler 1895 Mitbegründer der »Künstlerkolonie Worpswede«. 1895 beteiligt an der ersten Ausstellung der Worpsweder Maler in der Bremer Kunsthalle sowie im Herbst 1895 und 1896 an der Glaspalastausstellung in München.
1896 Atelier auf dem Weyerberg. 1897 Heirat seiner Schülerin Hermine Rothe.
1899 Trennung von der »Künstlerkolonie Worpswede «; um 1900 Auftragsarbeiten für den Kölner Schokoladenhersteller Ludwig Stollwerck. 1903/04/07 Studienaufenthalte auf Sylt. 1905 Umzug nach Bröcken bei Vegesack. 1906 Sommeraufenthalt in der Rhön; im November und Dezember 1908 Aufenthalt in Davos zur Begleitung seiner lungenkranken Frau. Fritz Overbeck stirbt im Alter von 39 Jahren an einem Schlaganfall. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Gruppe von Birkenstämmen | um 1896 | Öl auf Malkarton, auf Leinwand kaschiert | 60 × 43,6 cm | FKBA 08

Hermann Max Pechstein

* 31.12.1881 Zwickau
† 29.6.1955 Berlin

Zunächst Ausbildung in Zwickau zum Dekorationsmaler; während der Lehrzeit 1896 – 1900 Besuch der Gewerbe- und Innungsschule, ab 1900 Studium an der Königlichen Kunstgewerbeschule. Ab 1903 Meisterschüler von Otto Gussmann an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Dresden; nebenher erste Wand- und Glasmalereien für Architekten.
Nach Begegnungen mit Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel 1906 in Berlin Anschluss an die Künstlervereinigung »Brücke«; 1907 Reisen nach Italien sowie nach Paris. Von 1908 an in Berlin, Mitglied der »Berliner Secession«, nach Ausscheiden dort 1910 Mitbegründer der »Neuen Secession«. 1914 Südseereise, die Erfahrungen dieser Reise finden ihren Niederschlag in den Werken der folgenden Jahre (Ölbilder, Lithographien, Radierungen mit exotischen Motiven); als Soldat im Ersten Weltkrieg. 1918 Mitbegründer der »Novembergruppe« sowie des Arbeiterrates in Berlin; 1923 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, Übernahme einer Professur an der Akademie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 Verlust des Lehramtes, durch Malverbot werden seine Arbeitsmöglichkeiten weiter eingeschränkt; 1937 erfolgt sein Ausschluss aus der Akademie. Rehabilitierung nach 1945 durch Erhalt einer Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Max Pechstein stirbt am 29. Juni 1955 in Berlin. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Dorf | 1909 | Öl auf Leinwand | 54 × 63 cm | FKBA 34 | © Pechstein Hamburg/Toekendorf / 2014, ProLitteris, Zurich

Christian Rohlfs

* 22.12.1849 Niendorf (Schleswig-Holstein)
† 8.1.1938 Hagen (Nordrhein-Westfalen)

Aus einer armen Bauernfamilie; 1864 macht die Verletzung seines Beines nach einem Sturz von einem Baum ein zweijähriges Krankenlager nötig. Seine künstlerische Begabung wird durch den behandelnden Arzt entdeckt und gefördert.
1870 – 1884 Studium der Historien-, Figuren- und Aktmalerei an der Großherzoglichen Kunstschule (später Akademie) in Weimar. Anfänge mit realistischer Landschaftsmalerei, beeinflusst vom französischen Impressionismus; Wandlung hin zur »Freilichtmalerei«. 1873 Amputation des rechten Beines.
1900 auf Vermittlung Henry van de Veldes Umzug nach Hagen; das dort entstehende Folkwang- Museum bringt Rohlfs mit den Arbeiten van Goghs, Gauguins, Cézannes, Matisses und der jungen Expressionisten Nolde, Kirchner, Heckel in Berührung, was seine Malweise veränderte.
Ab 1903 entstehen vermehrt Aquarelle, von 1908 an auch druckgraphische Werke. Angemessene Anerkennung erfährt er erst 1919 durch eine Ausstellung zu seinem 70. Geburtstag in der Berliner Nationalgalerie. In seiner letzten Schaffensperiode arbeitete er während der Sommermonate in Ascona (Tessin), im Winter in Hagen. Christian Rohlfs stirbt in seinem Hagener Atelier. 

© Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten


Scheues Mädchen | 1919 | Wassertempera auf Papier | 63,5 × 44,5 cm | FKBA 35