Marianne Werefkin Stiftung

Marianne Werefkin wurde am 29. August 1860 in Tula geboren. Ihr Vater, der damalige Kommandant des Jekaterinburger Regiments, gehörte zu einem alten Moskauer Adelsgeschlecht, ihre Mutter stammte aus einer alten fürstlichen Kosakenfamilie.

Marianne Werefkin wird 1860 in Tula (Russland) in einer aristokratischen Familie geboren, Tochter der Malerin Elizaveta Daragan und des Infanteriegenerals Wladimir Werefkin. Die Eltern unterstützen das Talent der Tochter, indem sie ihr eine solide künstlerische Ausbildung ermöglichen. In der Tat wird Marianne 1880 Privatschülerin von Ilja Repin, dem bekanntesten Vertreter des russischen Realismus. 1883 schreibt sie sich an der Akademie von Moskau ein, unter der Leitung von Illarion Prjanischnikow, einer der wichtigsten Maler der Gruppe der „Wanderer“ (rus. Peredwischniki). Diese setzte sich dafür ein, durch Wanderausstellungen die Kunst unter das Volk zu bringen, mit der auch Werefkin mit Erfolg ausstellt, bevor sie sich den symbolistischen und post-impressionistischen Bewegungen der russischen Avantgarde anschliesst.

1886 wird Mariannes Vater zum Kommandanten der Peter und Paul Festung in Sankt Petersburg ernannt. Hier erfolgt 1892 die Begegnung zwischen Marianne Werefkin und dem jungen Offizier Alexej Jawlensky, der Abendkurse in Repins Akademie besucht: für beide handelt es sich sowohl im persönlichen Leben als auch in künstlerischer Hinsicht um den Beginn einer bedeutungsvollen Beziehung. Werefkin entscheidet sich den jungen Künstler zu unterstützen und zu fördern.

1896 übersiedeln die beiden nach München, wo Werefkin für zirka zehn Jahre aufhört zu malen und wo sie sich dem Kreis, der in ihrem Salon entsteht, widmet, der zu einem Treffpunkt von Intellektuellen und Künstlern der internationalen Avantgarde wird. Hier versammeln und unterhalten sich in lebhaften Diskussionen um die aktuellsten Themen der Kunst, Persönlichkeiten wie Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Franz Marc, Paul Klee, Alfred Kubin, Emil Nolde, der Komponist und Maler Arnold Schönberg, der Tänzer Alexander Sacharoff, Sergei Djagilew und viele andere. Das Zentrum der Anlässe ist Marianne Werefkin, die durch ihr ausserordentliches Wissen Anstoss auf immer neue Dialoge gibt und deren Kenntnisse auch von den Lettres à un inconnu bezeugt werden, ein zwischen 1901 und 1905 geschriebenes Tagebuch, in dem Werefkin einem imaginären Gesprächspartner ihr Streben nach einer gänzlich neuen Kunst anvertraut.

1906 fängt sie wieder an zu malen, indem sie der Farbe und der Form diejenige expressive Kraft verleiht, die über eine einfache mimetische Darstellung der Realität hinausgeht. 1909 ist sie unter den Gründern der Neuen Künstlervereinigung München und nimmt später an den Ausstellungen des Blauen Reiters teil. Anlässlich des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges 1914 sind Werefkin und Jawlensky dazu gezwungen Deutschland zu verlassen. Sie lassen sich zuerst in Saint-Prex am Genfersee nieder, dann, 1917 in Zürich, wo sie im Dada-Milieu verkehren. Dank den hier entstandenen Kontakten zieht das Paar 1918 nach Ascona, wo Werefkin bis ans Ende ihres Lebens bleibt, während Jawlensky 1921 entscheidet, nach Wiesbaden (Deutschland) zu ziehen.

In Ascona entwickelt sich Marianne Werefkins Kunst in zwei Richtungen: eine mehr mystische und visionäre, und eine, die menschliche und soziale Fragen behandelt. In Ascona, obwohl in Armut lebend, setzt sich die Künstlerin aktiv für kulturelle Belange ein: 1922 ist sie mit Ernst Kempter und Antonio Giugni-Polonia Mitbegründerin des Gemeindemuseums, deren Sammlung durch die Schenkung eigener Werke der in Ascona arbeitenden Künstler entsteht. Darauf folgt 1924 die Gründung der internationalen Künstlergruppe Der Grosse Bär, mit der sie regelmässige Ausstellungen in Ascona, aber auch in der deutschen und französischen Schweiz veranstaltet. Über die künstlerischen Tätigkeiten hinaus, integriert sich Werefkin völlig in das Leben des kleinen Dorfes. Sie steht der lokalen Bevölkerung sehr nah, welche sie zur „nonna“ (dt. Grossmutter) von Ascona ernennt. In Folge gesundheitlicher Probleme, die sich mit der Zeit verschlechtern, stirbt Marianne Werefkin 1938 in Ascona.

Herbst - Schule | 1907 | Tempera auf Papier auf Karton | 56 x 73 cm | FMW 0-0-3

Sonntagnachmittag | 1908 | Tempera auf Papier auf Karton | 36.5 x 50.5 cm | FMW 0-0-11

Der Tänzer Alexander Sacharoff | 1909 | Tempera auf Papier auf Karton | 73.5 x 55 cm | FMW 0-0-15

Der rote Baum | 1910 | Tempera auf Papier auf Karton | 75.5 x 56.5 cm | FMW 0-0-18

Polizeiposten in Wilna | 1914 | Tempera auf Papier auf Karton | 98 x 82 cm | FMW 0-0-33

Gespensternacht | 1919 | Tempera auf Papier auf Karton | 75 x 57 cm | FMW 0-0-41

Ave Maria | 1927 | Tempera auf Papier auf Karton | 75 x 57 cm | FMW 0-0-60

Die leidende Stadt | um 1930 | Tempera auf Papier auf Karton | 89 x 72.5 cm | FMW 0-0-67