Museo Castello San Materno

27. Juni - 17. Oktober 2021

Fritz Overbeck
Traumland Worpswede

Dem bedeutenden Worpsweder Landschaftsmaler Fritz Overbeck (1869–1909) ist die diesjährige Sonderausstellung in den Räumen des Museo Castello San Materno gewidmet.

Anhand von Gemälden, Zeichnungen und Grafiken wird Overbecks künstlerisches Schaffen und sein Suchen und Streben nach Erneuerung, Veränderung und Weiterentwicklung der Landschaftsmalerei aufgezeigt.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung sind Werke aus der Worpsweder Schaffensperiode. Aber auch seine Landschaftseindrücke von der Insel Sylt und aus der Umgebung von Davos, die er in zahlreichen Ölstudien und Gemälden festhält, werden mit beispielhaften Werken vorgestellt.

Die Ausstellung ist in enger Kooperation mit dem Overbeck-Museum in Bremen konzipiert und wurde gemeinschaftlich von dessen Direktorin Frau Dr. Katja Pourshirazi und dem Kunsthistoriker Harald Fiebig, kuratiert. Sie ist ein Projekt der Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten, Solothurn, in Kooperation mit dem Museo Comunale d'Arte Moderna und der Gemeinde Ascona.

Fritz Overbeck wird am 15. September 1869 in Bremen geboren.
Als jüngster Sohn der Eheleute Berta und Theodor Overbeck, einem Ingenieur und ersten Technischen Direktor des Norddeutschen Lloyd, wächst Fritz Overbeck in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Seine drei Geschwister und der Vater sterben früh. Während seiner Schulzeit erhält er ersten Zeichenunterricht und nach Beendigung der Gymnasialzeit beschließt er, nach Düsseldorf zu übersiedeln, um an der Kunstakademie von 1889 bis 1893 ein Studium der Malerei zu absolvieren. Ausschlaggebend ist für seine Wahl der gute Ruf der Akademie, da von ihr wesentliche Impulse für die Landschaftsmalerei ausgingen, dem Schwerpunkt seines künstlerischen Interesses. Während der vierjährigen Studienzeit erlernt er die Grundlagen des Malens und Zeichnens, unternimmt erste Radierversuche und entwickelt eine Vorliebe für die nordische Landschaft. In der Zeit seines Studiums lernt er den ebenfalls aus Bremen stammenden Heinrich Vogeler kennen und macht die Bekanntschaft mit Otto Modersohn und Fritz Mackensen, die beide voller Begeisterung von ihrem "Traumland" Worpswede und von der "erhabenen Stille der Natur" berichten. Seit 1889 haben sie sich, zusammen mit Hans am Ende, in dem Bauerndorf dauerhaft niedergelassen.
Fritz Overbeck, der nach diesen begeisternden Naturschilderungen und von ihren Beschreibungen eines inspirierenden künstlerischen Daseins auf dem Land und des Malens en plein air, neugierig geworden ist, besucht die kleine Künstlergemeinschaft erstmals 1892 zu Studienzwecken. Ein Jahr später folgt ein weiterer dreimonatiger Sommeraufenthalt und 1894 beschließt er, sich dauerhaft in Worpswede niederzulassen. Im gleichen Jahr schließen sich auch Vogeler und der sich als Einziger nicht in Worpswede niederlassende Carl Vinnen der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft an.

Von nun an werden die Moorkanäle, die Birkenalleen, die einfachen Behausungen der Bauern, aber vor allem das Wolken- und Farbenspiel des hohen Himmels zum bestimmenden Thema seiner Kunst. Für Fritz Overbeck ist Worpswede Lebensmittelpunkt und künstlerische Heimat geworden.

Um von der Öffentlichkeit besser wahrgenommen zu werden, Ausstellungsmöglichkeiten zu erhalten und somit den Verkauf ihrer Bilder zu fördern, gründen die sechs Worpsweder Künstler 1894 den Künstler-Verein Worpswede. Eine erste Ausstellungsbeteiligung erfolgt im Frühjahr 1895 in Bremen, aber ihren Durchbruch erleben die Gründer der Künstlervereinigung auf der Jahresausstellung von Kunstwerken aller Nationen im Münchner Glaspalast. Mit ihren Werken, die eine starke Verbundenheit zur Natur, Liebe zur Heimat und eine ideale Welt fern von Industrialisierung und Fortschritt bekunden, treffen die Worpsweder Künstler den Nerv der Zeit und den Geschmack des großstädtischen Publikums. Eine wahre Erfolgsgeschichte der Worpsweder Landschaftsmalerei setzt ein.

Angehende Künstlerinnen, denen ein Studium an den Kunstakademien zu dieser Zeit noch verwehrt wird, interessieren sich für die fortschrittliche Landschaftsauffassung der Künstler und wollen von ihnen unterrichtet werden. So auch Hermine Rohte, die 1896 nach Worpswede kommt, Schülerin und schon ein Jahr später die Ehefrau von Fritz Overbeck wird. Doch wie bei vielen angehenden Künstlerinnen dieser Zeit tritt nach der Heirat ihre eigene Kunst mehr und mehr in den Hintergrund, sie wird jedoch zur wichtigen Ratgeberin auf dem weiteren künstlerischen Weg ihres Ehemanns.

Mit den Jahren schwindet der Zusammenhalt zwischen den Mitgliedern der Worpsweder Vereinigung. Konkurrenzkampf, gegensätzliche künstlerische Bestrebungen und persönliche Differenzen zwischen den Künstlern treten mehr und mehr hervor und führen 1899 schließlich zur Auflösung der Vereinigung. Hermine und Fritz Overbeck führen ein vergleichsweise zurückgezogenes Leben in Worpswede. So gehören sie nicht dem engen Künstler- und Literatenkreis um Heinrich Vogeler und seinen Barkenhoff an. Freundschaftlich und künstlerisch fühlt sich Overbeck am engsten mit Otto Modersohn verbunden.

Aufgrund der großen Beliebtheit bei Wochenendausflüglern hat sich das einst so abgeschiedene Moordorf stark gewandelt. Für Fritz Overbeck einer der Gründe, sich neuen Landschaftsmotiven zuzuwenden: bei Studienaufenthalten auf der Nordseeinsel Sylt (1903, 1904 und 1907) entdeckt er die vielfältige Landschaft mit den grün bewachsenen Dünen, den Strand und die lebendige Brandung als neues Motiv.
Die Sylt-Bilder zeichnen sich durch einen sicheren und lockeren Pinselduktus aus. Die vormals stark gefühlsbetonte und dunkeltonige Landschaftsmalerei der Worpsweder Zeit wird von einer frischen und leuchtenden Farbigkeit und malerischen Schlichtheit abgelöst, die eine Hinwendung zum Impressionismus bezeugen.

Schließlich verlassen die Overbecks mit ihren beiden Kindern Fritz Theodor und Gerda Worpswede und lassen sich 1905 in Bröcken bei Bremen-Vegesack nieder. Eingang in das Werk von Fritz Overbeck finden nun auch der eigene Garten ihres Wohnhauses Sechslinden und die umliegende Landschaft.

Nach einem erneuten Ausbruch ihrer Lungentuberkulose, an der sie 1904 erkrankt war, hält sich Hermine Overbeck-Rohte 1908/09 für mehrere Monate zu einer Liegekur in Davos auf. Fritz Overbeck besucht seine Frau für längere Zeit. Dabei hält er die verschneite Schweizer Gebirgslandschaft in zahlreichen Studien und Gemälden fest.
Im Juni 1909 wird Hermine Overbeck-Rohte als geheilt aus dem Sanatorium in Davos entlassen. Nur drei Tage nach ihrer Rückkehr, am 8. Juni 1909 stirbt Fritz Overbeck an einem Schlaganfall.

Harald Fiebig

Vernissage

Samstag, den 26. Juni, um 17.00 Uhr

Plakat

In Zusammenarbeit mit

Mit der Unterstützung von


Werke

Fritz Overbeck | Ein stiller Winkel oder Haus hinter der Hecke | 1900 | Öl auf Leinwand | 98,5 × 120 cm | Overbeck-Museum, Bremen

Fritz Overbeck | Birken vor Kornfeld | o. J. | Öl auf Karton | 37,5 × 55,5 cm | Overbeck-Museum, Bremen

Fritz Overbeck | Buhne bei hoher See mit bunten Steinen | 1903 | Öl auf Karton | 45,5 × 65 cm | Overbeck-Museum, Bremen

Fritz Overbeck | Rosenweg (Bröckener Garten) | 1908 | Öl auf Leinwand | 72 × 77 cm | Overbeck-Museum, Bremen

Fritz Overbeck | Sommerzeit II oder Badende Jungen an der Aue | 1908 | Öl auf Leinwand | 95 × 125 cm | Overbeck-Museum, Bremen

Fritz Overbeck | Davos-Dorf in leuchtender Abendsonne | 1908 | Öl auf Karton | 34,5 × 49 cm | Overbeck-Museum, Bremen

Fritz Overbeck | Gehöft (Weyerdeelen) | 1896 | Kohle auf Papier | 21,2 × 37 cm | Overbeck-Museum, Bremen

Fritz Overbeck | Buhne vor der Brandung | 1903 | Braune Kreide auf Papier | 28,3 × 39,3 cm | Overbeck-Museum, Bremen

Fritz Overbeck | Abend an der Hamme | 1906 | Radierung mit Aquatinta | 20,7 × 29 cm | Overbeck-Museum, Bremen

Veranstaltungen

Führung
durch die Ausstellung Fritz Overbeck – Traumland Worpswede

Dienstag, den 23. Juni 2020, um 18.00 Uhr, ​Museo Castello San Materno, Ascona

Die Führung findet gleichzeitig auf Deutsch und Italienisch statt. 

Fritz Overbeck, ein deutscher Künstler aus Bremen, der im jungen Alter von 40 Jahren starb, ist vor allem bekannt dafür, dass er der Worpsweder Künstlergemeinschaft angehörte, die Ende des 19. Jahrhunderts gegen den Fortschritt und die Industrialisierung für eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen Werte der Natur und der ländlichen Tradition gegründet wurde. Die Ausstellung präsentiert etwa vierzig Werke – Gemälde, Aquarelle und Stiche –, die zeigen, wie sehr die Landschaft das bevorzugte Thema des Künstlers war, so sehr, dass er es in allen Formen und Techniken behandelte, je nachdem mit weicheren oder mit stärkeren und expressiveren Farben, in Werken welche seine Vision und seine panische Beziehung zur Natur zum Ausdruck bringen. 

Anmeldung erforderlich bis Donnerstag, 18. Juni: museo@ascona.ch; Tel. 091 759 81 40.

AAMA

Abgesagt