Museo Comunale d'Arte Moderna

31. Juli - 11. Oktober 2015

Lebenseinblicke
Das fotografische Archiv der Gemeinde Ascona stellt sich vor

Das fotografische Archiv ist 2003 im Zusammenhang mit der Ausstellung „Ascona immagini dal passato nella cornice di oggi“ („Ascona. Abbildungen der Vergangenheit im zeitgenössischen Rahmen“) entstanden, die anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Gründung des Kantons Tessin von der Gemeinde Ascona organisiert wurde. Das Interesse, das diese Veranstaltung unter der Bevölkerung von Ascona erweckt hatte, entwickelte sich sehr positiv auf das Archiv. Der ursprüngliche Bestand wurde bald durch weitere Fotografien bereichert, vor allem durch die über 5‘000, die Herr Claudio Pancaldi am Heiligabend des selben Jahres dem Museo Comunale d’Arte Moderna schenkte; ein Beitrag, dank welchem das Archiv beträchtlich gewachsen ist.

Jede im Archiv aufbewahrte Abbildung stellt einen Moment der lokalen Geschichte dar, ein Zeugnis, das die Vergangenheit belegt und das allen zugänglich ist. Das Archiv besteht aus 150 originalen Abdrucken, 502 Reproduktionen, 120 Postkarten, 17 Negativen auf Glasplatten und über 4‘000 Negativen auf Film. Die Geschichte, die durch diese Abbildungen erzählt wird, geht zurück auf das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

Die Ausstellung

Die Ausstellung besteht aus einer Auswahl von etwa hundert Originaldrucken und Negativen, zu denen für diesen Anlass realisierte Drucke hinzukommen. Der Ausstellungsrundgang zeigt See- und Berglandschaften aus unserer Region, Panoramaaufnahmen der Seepromenade, des Hügels und der Gassen des Dorfes. Diese wechseln sich mit Aufnahmen von Festtagen, Anlässen und Ereignissen ab, die die Geschichte von Ascona geprägt haben.

Entlang der Wände des ersten Saals entdeckt man Szenen aus den Jahren 1900 bis 1960 die einerseits das alltägliche Leben Asconas zeigen, andererseits aber auch besondere Anlässe, wie religiöse Feste oder die legendäre Fasnacht von Ascona, festhalten. In den Vitrinen, im Zentrum des Saals, kommen auf einer Auswahl von histori- schen Postkarten Landschaften, Figuren und Gesichter zum Vorschein.

Der zweite Saal ist hingegen speziell dem fotografischen Bestand der Familie Pancaldi gewidmet, der vor allem aus Negativen auf Film und auf Glasplatten besteht, aber auch aus originalen Abdrucken und Postkarten, die von Piero Pancaldi und dessen Söhnen Augusto und Claudio realisiert wurden. Die Aufnahmen wurden in einer Zeit grosser technologischer Veränderungen gemacht, mit Apparaten, die uns heute quasi antik vorkommen, als einem jede Fotografie noch wie ein kleines Wunder erschien.

Piero Pancaldi (1887-1956) war einer der wichtigsten Fotografen von Ascona. Schon als junger Mann war er derart von der Filmkamera fasziniert, dass er um 1910 mit den Freunden Emil Allidi und Hermann Thevénaz das erste Kino in Ascona eröffnete. Kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges zog er nach Deutschland, wo er sich zuerst in Nürnberg und dann in München niederliess. In Nürnberg hatte er die Möglichkeit, seine Leidenschaft für das fotografische und filmische Bild zu vertiefen und zu entwickeln. Hier lernte er ausserdem Margherita Kuchler kennen, die zu seiner Frau wurde. 1921 zog das Ehepaar nach Ascona, wo Piero zum „Dorffotografen“ wurde und wo sie zusammen den sogenannten „Bunten Laden“ eröffneten, in dem man alles mögliche kaufen konnte: Postkarten und Fotoapparate, aber auch Zigarren und Zigaretten. Zwei ihrer vier Söhne, Augusto und Claudio, erbten die Leidenschaft für die Fotografie und setzten so die künstlerische Tätigkeit der Familie fort.

Dank ihrer Leidenschaft hielten die Pancaldis unzählige Facetten fest, die Ascona und die umgebenden Täler charakterisieren und die heute in dieser in historischer Hinsicht sehr wichtigen fotografischen Sammlung überliefert werden. Mit einer Vorliebe für eher pittoreske Sujets und Panoramaaufnahmen, von welchen auch zahlreiche Postkarten hergestellt wurden, offenbart sich die Sammlung durch Aufnahmen der Natur, der Landschaft, aber auch der Arbeit, der Festlichkeiten und einiger Ereignisse, welche die Geschichte des Dorfes geprägt haben, wie zum Beispiel der Brand, der 1960 Teile der Kirche Santa Maria della Misericordia und des Collegio Papio zerstört hat. Das Archiv der Familie Pancaldi bildet so einen wichtigen Bestandteil für die Bewahrung des gemeinschaftlichen Gedächtnisses.

Der Ausstellungsrundgang wird vom kurzen Film „Ascona dagli anni ’30 agli anni ’50 nelle immagini di Piero Pancaldi“ („Ascona von den 30er bis 50er Jahren in Piero Pancaldis Abbildungen“) abgeschlossen, der dank der Zusammenarbeit mit dem Archiv des Radios und Fernsehens der italienischsprachigen Schweiz RSI entstanden ist.

Michela Zucconi-Poncini

Plakat

Sitz

Museo Comunale d'Arte Moderna, Ascona

Medien

Klicken Sie hier, um den Anlass vom Donnerstag, 17. September 2015, im Cinema Otello in Ascona mit der Vorführung von Come eravamo a... Ascona e dintorni zu sehen.

Werke

Contrada Borgo um 1930. Fotografisches Archiv der Gemeinde Ascona, Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona

Kindergarten. Fotografisches Archiv der Gemeinde Ascona, Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona

Fastnacht. Fotografischer Bestand Familie Piero Pancaldi-Giubbini, Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona

Die Rückkehr der Fischer. Fotografischer Bestand Familie Piero Pancaldi-Giubbini, Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona

Fotograf entlang des alten Saumpfades nach Ronco s/Ascona. Fotografischer Bestand Familie Piero Pancaldi-Giubbini, Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona

Veranstaltungen

Die Radiotelevisione svizzera di lingua italiana lädt Sie zur Vorführung von Come eravamo... ein
Ascona und Umgebung von den 30er bis zu den 50er Jahren in den Bildern der Amateurfilmer und der RSI
Cinema Otello, Ascona

Donnerstag, den 17. September 2015, um 17.00 Uhr und um 20.30 Uhr, Cinema Otello, Ascona