Museo Castello San Materno

12. Oktober - 29. Dezember 2019 und
7. März - 24. Mai 2020
bis 15. November 2020 verlängert

Die Sammlung in Blüte
Werke der Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten

Im Jahr 2017, drei Jahre nach der Eröffnung des Museo Castello San Materno, wurde die Sammlung der Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten um 21 Werke bereichert, die zu den 47 bereits seit 2014 vorhandenen Werken hinzugekommen sind, von denen die meisten dauerhaft ausgestellt werden. Damit sind alle Werke der Sammlung endgültig vereint worden. Die Sammlung wurde – unter Berücksichtigung der großen künstlerischen Bewegungen, die die Geschichte der deutschen Kunst zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs prägten – im Namen der Harmonie nach dem persönlichen Geschmack des Ehepaares Alten zusammengestellt. Bei den ikonographischen Themen der Sammlung zeigt sich eine Vorliebe für das Blumenstillleben, welches vom Ehepaar Alten genauso wie die Landschaftsmalerei besonders geschätzt wird.

Die Ausstellung im Saal der ehemaligen Kapelle San Materno zeigt eine Auswahl dieser Werke, darunter die von Emil Nolde (1867-1956), einem Künstler, der mit 10 Aquarellen, die fast alle Blumen darstellen, in der Sammlung vertreten ist. Die meisten davon stammen aus den Jahren 1930-1935 und sind repräsentativ für Noldes künstlerisches Schaffen in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, kurz bevor seine Kunst vom Naziregime als entartet diffamiert wird. Seine Blumen sind eine Explosion von leuchtenden Farben, die durch die Verwendung der Aquarellfarben ineinander zu verschmelzen scheinen. Die beiden Gouachen und das Pastell des deutschen Malers Klaus Fußmann (geb. 1938) sind ähnlich, weisen aber eine Tendenz zu dickflüssigeren und dunkleren Farben und zu einer stärkeren Abstraktion auf. Fußmann hat sich 1972 erstmals an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein aufgehalten, wo auch Nolde gelebt hat, und hat sich wie dieser ebenfalls von der ihn umgebenden Natur inspirieren lassen.

Karl Schmidt-Rottluffs (1884-1976) große Aquarelle eines Pfingstrosenbundes und eines Vogelbeerzweiges entstanden beide um 1930; wie Nolde als "entarteter Künstler" angesehen, wird sein Stil in diesen Jahren, obwohl noch vom Expressionismus beeinflusst, weniger heftig und seine Farben zarter. Schmidt-Rottluff war 1905 – zusammen mit seinen Kollegen Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl und Erich Heckel – einer der Gründer der Künstlergruppe Brücke und gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus. 1906 lernte der Künstler Emil Nolde kennen, welcher sowohl an den Ausstellungen der Brücke als auch an denen des Blauen Reiters teilnahm, der 1911 gegründeten weiteren bedeutenden Vereinigung des deutschen Expressionismus. Zu den Gründern des Blauen Reiters gehörte unter anderem Gabriele Münter (1877-1962), deren Frühlingsstrauß, Lana, das einzige der ausgestellten Werke aus dem frühen 20. Jahrhundert ist, obwohl es noch kein vollständig expressionistisches Werk ist. 1908 begaben sich Münter und ihr Lebensgefährte Wassily Kandinsky auf eine Reise nach Südtirol, wo sie in Lana verweilten und im Freien in einem noch vom Neoimpressionismus beeinflussten Stil malten. Zwei Bildsprachen scheinen in dem gezeigten Gemälde zu dialogisieren: die monumentale Blumenvase im Vordergrund überdeckt teilweise die Landschaft im Hintergrund, in welcher noch der Einfluss der modernen französischen Meister zu sehen ist, und weist gleichzeitig die ersten Anzeichen einer expressionistischen Sensibilität auf.

Ursina Fasani
Michela Zucconi-Poncini

Plakat