Museo Castello San Materno

5. September - 20. Dezember 2026

Charlotte Bara
Familienbande zwischen Ascona, Willingen und Worpswede

Die von Michela Zucconi-Poncini und Andrej Seuss kuratierte Ausstellung ist das Ergebnis einer sorgfältigen historischen Recherche, die sich auf einen bemerkenswerten Briefwechsel von über 800 handgeschriebenen Briefen und Postkarten stützt, die im Charlotte Bara Bestand archiviert sind. Der umfangreiche Briefwechsel, der zwischen 1913 und 1937 zwischen Selma Löhnberg geb. Bachmann und Emil Löhnberg (Tante und Onkel von Charlotte Bara) und ihren Kindern Erhart und Marianne Löhnberg stattfand, wurde 2011 zufällig bei Räumungsarbeiten im Castello San Materno in einer verschollenen Truhe entdeckt. Weitere Adressaten des Briefwechsels sind Charlotte Bara, Elvire Bachrach und die Freunde Heinrich Vogeler und Henry Lempereur. Der Briefwechsel wurde vollständig transkribiert und untersucht und wurde somit Gegenstand einer Publikation und einer Ausstellung.

Durch die Formulierung einer Art „Dialog zwischen Geschichte und Kunst”, in dem historische Dokumente und insbesondere die Worte der Briefe mit den Werken von Künstlern interagieren, die durch ihre Kunst ihre Gedanken zum Ausdruck bringen, kontextualisiert die Ausstellung die Situation in Ascona und in der Umgebung von Locarno in jenen Jahren und hebt die Bedeutung der Verbindungen zwischen all jenen Emigranten hervor, die aus verschiedenen Gründen südlich der Alpen Zuflucht gefunden haben. Einige wurden aufgenommen und liessen sich nieder, andere kehrten, obwohl sie lange Zeit in Ascona gelebt hatten, nach Deutschland zurück. Dabei werden die entstandenen Beziehungen, die gegenseitige Hilfe und die sich gebildeten Gemeinschaften, wie die von Fontana Martina und in gewisser Weise auch die von San Materno, hervorgehoben.

Die Ausstellung präsentiert neben historischen Dokumenten eine Reihe von Werken – darunter Gemälde, Zeichnungen und Grafiken – von Carl Weidemeyer, Heinrich Vogeler, Paula Modersohn-Becker, Christian Rohlfs und Henri Lempereur, die verdeutlichen, wie sehr die Kunst das vielfältige Leben dieser Menschen geprägt hat und wie zentral sie für ihren Alltag und die Vermittlung ihrer politischen und sozialen Gedanken war.

Die Publikation bietet eine Studie von ausserordentlichem dokumentarischem Reichtum, die neue Daten, präzise Beschreibungen und kritische Interpretationen liefert und bisher wenig bekannte Aspekte der historischen, kulturellen und politischen Landschaft in der Schweiz und in Deutschland in den 1920er und 1930er Jahren beleuchtet.

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